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Marc Mölders
Die Äquilibration der kommunikativen Strukturen
Theoretische und empirische Studien zu einem soziologischen Lernbegriff

342 Seiten, gebunden
1. Auflage 2011
ISBN 978-3-938808-96-2

Sowohl in theoretischer als auch in empirischer Hinsicht, so die zentrale These dieser Studie, lohnt es sich, den Bestand soziologischer Paradigmen zur Rekonstruktion sozialen Wandels um einen revidierten Lernbegriff zu erweitern.
Doch hierzu muss man einer Hase-Igel-Konstellation entkommen: Unterscheidet man zwischen Konzepten gerichteten und ungerichteten sozialen Wandels, zeigt sich, dass auf der einen Seite Lernen in den Paradigmen der Modernisierung, der Transformation oder der Entwicklung allenfalls als Synonym Verwendung findet, auf der ungerichteten Seite der Unterscheidung wartet der Evolutionsbegriff. Will man am Bedarf eines soziologischen Lernbegriffs festhalten, muss gezeigt werden, dass dieser einerseits nicht mit (rationaler) Weiterentwicklung einhergeht und andererseits nicht in einer differenzlosen Art in Konzepten sozialer Evolution aufgeht.
Lernen löst Probleme in der Informationsverarbeitung sozialer Systeme, auf die diese selbst nicht gekommen wären; ebendies unterscheidet Lernen von allen anderen Formen sozialen Wandels. Lernen kann dann nur eine Störungsbeseitigung meinen, die weder zufällig beginnt noch garantieren kann, sich dauerhaft zu bewähren.
Diese Neufassung des Lernbegriffs gelingt durch eine Verzahnung der späten Äquilibrationstheorie Jean Piagets mit der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns. Jedoch gilt für die soziologische Äquilibrationstheorie und jeden Lernschritt gleichermaßen: Jedes gelöste Problem wirft auch neue Probleme auf. Dies zeigt sich hier bei der Frage, ob nicht nur soziale Systeme im Allgemeinen, sondern auch Interaktionen, Organisationen, Funktionssysteme und schließlich Gesellschaft im Besonderen lernen können.
Auch und gerade in empirischer Hinsicht verfolgt die Arbeit ein genuin gesellschaftstheoretisches Interesse. Kann Gesellschaft lernen? Die Antwort kann unter Bedingungen von funktionaler Differenzierung nur ein entschiedenes Nein sein. Dass es dennoch nichts mit Zufall zu tun hat, dass so manches Lernresultat sich über die Grenzen der Funktionssysteme hinweg durchsetzt, wird empirisch am Beispiel der Durchsetzung des UN-Kaufrechts (CISG) gezeigt.
Für diese Arbeit ist Marc Mölders der Dissertationspreis 2010 der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaftverliehen worden.



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AUTOR

Marc Mölders, Dr. phil., Studium der Soziologie in Bonn, Bielefeld und Edinburgh (Science & Technology Studies), von Oktober 2006 bis September 2009 im Bielefelder Graduiertenkolleg »Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft«. Seit Oktober 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Techniksoziologie der TU Dortmund. – Forschungs- und Interessenschwerpunkte: Soziologische Theorie, Rechtssoziologie, Wissenschafts- und Techniksoziologie, Methodologie qualitativer Sozialforschung. – Publikationen u.a.: »Lernen für die Zukunft? Prospektives Recht an der Schwelle von Evolution und Lernen«, in: Zeitschrift für Rechtssoziologie 30 (2009).

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