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Peter Waldmann (Hg.)
Determinanten des Terrorismus

240 Seiten, broschiert
1. Auflage 2005
ISBN 978-3-934730-01-4

Diese vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung initiierte Studie richtet den Blick auf die Determinanten der Entstehung und Entwicklung terroristischer Organisationen. Wenngleich eine der Ausgangsfragen war, inwieweit Armut, soziale Ungleichheit und Analphabetismus in der Dritten Welt als mögliche Ursachen der Welle religiösen Terrorismus in Frage kämen, die in den Anschlägen vom 11. September 2001 gipfelte, wurden alsbald weitere Erklärungsfaktoren, insbesondere organisationsinterne Determinanten terroristischen Handelns in die Analyse mit einbezogen.

Denn will man erfahren, wie es zur Bildung terroristischer Verbände und zur ständigen Neurekrutierung von Mitgliedern für sie kommt, so bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auf die Ebene dieser Verbände und der einzelnen Terroristen selbst zu begeben: zu versuchen herauszufinden, aus welchem sozialen Milieu diese stammen, welche sukzessiven Schritte sie zu der Gewaltorganisation führten, aus welchen Motiven sie die Konfrontation mit dem Staat und der Gesellschaft suchen, warum sie die Strapazen eines Lebens im Untergrund auf sich nehmen, sich nicht scheuen, gegebenenfalls auch Unschuldige zu töten oder mit in den Tod zu reißen usf. Kurzum, es geht darum, die Vorstellungs- und Lebenswelt der terroristischen Akteure zu verstehen.

In den einzelnen Untersuchungen wird prozessualen Aspekten der Vorrang vor einer statischen Analyse eingeräumt; das heißt, der Akzent wird auf sukzessive Entscheidungen der Akteure und Gruppen in Schlüsselsituationen gelegt, die den Gewaltkurs intensivieren oder abschwächen können. Dabei wird dem terroristischen Handeln prinzipiell eine bestimmte Rationalität zugestanden. Selbstredend handelt es sich dabei nicht um jene Rationalität, die man von sozialen Akteuren allgemein in »normalen« Situationen erwartet. Diese Rationalitätsprämisse findet auch ihren Niederschlag in der Behandlung des religiösen Terrorismus. Die Teilstudien sind von dem durchgehenden Bemühen geprägt, diesen zu demystifizieren und zu entdramatisieren, indem sie zeigen, daß selbst die Mehrzahl der gemeinhin als fundamentalistisch bezeichneten religiösen Bewegungen primär handfeste Interessen in dieser Welt verfolgt.

Der Beitrag von Heinrich-W. Krumwiede ist eher strukturell ausgerichtet. Alle anderen Teilstudien konzentrieren sich auf die Gewaltakteure und ihr soziales Umfeld. Stefan Malthaner untersucht die Beziehung zwischen den Terroristen und ihren angeblichen und tatsächlichen Sympathisanten, ihrem »Unterstützungspotential«. Peter Waldmann geht auf das Zeitverständnis terroristischer Gruppen und generell die zeitliche Dimension des Terrorismus ein. Hamed Abdel-Samad schließlich befasst sich mit einem Teilaspekt der räumlichen Dimension des Terrorismus, nämlich der Gefährlichkeit der islamischen Diaspora in der BRD.



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HERAUSGEBER

Peter Waldmann, geb. 1937, ist Professor em. für Soziologie an der Philosophischen Fakultät I der Universität Augsburg. Arbeitsschwerpunkte: Kriminalsoziologie und Soziologie des abweichenden Verhaltens; Entwicklungssoziologie, vor allem bezogen auf Lateinamerika; ethnische Konflikte, Minderheitenprobleme, Nationalismus; Politische Soziologie, insbes. autoritäre Regime, aufständische Gewalt und Unterdrückungsgewalt; Rechtssoziologie, formelle und informelle Normensysteme, Situationen der Regellosigkeit (Anomie).
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REZENSIONEN

»Seit dem 11.9.2001 erscheint zum Thema Terrorismus bständig neue Literatur, aus welcher der vorliegende Sammelband heraussticht. Vor allem deshalb, weil er ein dringendes Desiderat der Forschung erfüllt. Mittels eines mikrosoziologischen Forschungsansatzes beleuchten die Autoren die Hintergründe und Tiefenstrukturen des Terrorismus.(..) Der Sammelband ist (...) ein Muss für jeden, der sich wissenschaftlich mit dem Thema Terrorismus auseinandersetzt.«
Beiträge zur Internationalen Politik und Sicherheit Nr. 01/2007, Frank Sauer

»Für das Buch wurden in erster Linie die Ergebnisse der Forschergruppe, Referate, Diskussionen und internationale Tagungen herangezogen. Diese aktuelle Studie fördert neue Aspekte über das Wirkgefüge des Terrorismus zu Tage und liefert die Basis für Überlegungen zu Gegenmaßnahmen. Das Buch ist jedem mit der Materie Befassten zu empfehlen und bietet dem interessierten Leser tiefe Einblicke zum Verständnis des Terrorismus.«
W. Unger, Österreichische Militärzeitschrift (ÖMZ), Juni 2006

»Die Studie räumt mit einer Reihe von Simplifizierungen auf. (...) Komplettiert wird der Band durch Ausführungen zur zeitlichen Dimension des Terrorismus, die sich in seinen langfristigen Zielsetzungen grundsätzlich von dem durch Wahltermine bestimmten Denken der Politiker in Demokratien unterscheidet, und eine Analyse der Radikalisierungsprozesse unter jungen Muslimen in Deutschland.«
LB, Zeitschrift für Politikwissenschaft, 16. Mai 2006

»Die Autoren erweiterten diese Perspektive (Zusammenhang von Analphabetismus, Armut und Ungleichheit, Anm. der Redaktion) allerdings und fragten nach zusätzlichen Erklärungsfaktoren. Dabei entstanden analytisch und systematisch entwickelte Fallstudien mit einer Fülle beachtlicher Erkenntnisse.(...). Die Aufsätze des Sammelbandes unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht wohltuend von anderen Veröffentlichungen zum Terrorismus-Thema: Nicht nur die hohe Sachkenntnis und das systematische Vorgehen der Autoren, sondern auch deren analytisches Instrumentarium und die vergleichende Perspektive fallen positiv auf. Dabei werden auch weit verbreitete Auffassungen einer Analyse unterzogen und hinsichtlich ihrer einseitigen Persoeltive und irreführenden Annahmen kritisiert. Damit zerstört der Sammelband liebgewonnene Deutungsmuster und leistet einen Beitrag zur aufklärerischen Erkenntnis.«
Neue Politische Literatur, Armin Pfahl-Traughber, Jg. 50 (2005)

»Die Autoren um den Experten P. Waldmann gehen in dieser anspruchsvollen Studie differenziert vor und folgen 3 gemeinsamen Optionen: Sie treffen Definitionen, haben eine mikrosoziologische Sicht auf die Terrororganisationen und ihr Umfeld und untersuchen, ob es Alternativen zum Terrorismus bei der Durchsetzung der Ziele gegeben hätte, zumal die terroristischen Akteure reklamieren, für eine Ethnie, soziale Klasse oder religiöse Gemeinschaft zu handeln. Die Beiträge handeln von den möglichen Ursachen, vom Zeitverständnis, vom sozialen Umfeld und von der "Radikalisierung in der Fremde". (...) Für ein akademisch vorgebildetes Publikum.»
ekz Informationsdienst, Harald Pilzer, 36/05

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