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Tobias Werron
Der Weltsport und sein Publikum
Zur Autonomie und Entstehung des modernen Sports
520 Seiten, broschiert
1. Auflage 2010
ISBN 978-3-938808-77-1
Werrons Studie verknüpft eine sportsoziologische mit einer globalisierungstheoretischen These.
Die sportsoziologische These besagt, dass nicht primär Athleten und Sportler, nicht Funktionäre und Organisatoren, sondern die unablässigen Kommentare von Journalisten und anderen Beobachtern für die Entstehung des modernen Sports verantwortlich waren. Im Begriff »Weltsport« steckt die These, dass die Globalisierungsdynamik des modernen Sports auf der Fähigkeit beruht, einen eigenen Möglichkeitshorizont und in diesem Sinne eine eigene Welt zu entwerfen, die auf die Systemgenese selbst zurückwirkt.
An der frühen Geschichte des modernen Sports, vor allem des amerikanischen Baseballs und des britischen Fußballs, zeigt die Studie, wie sich dieses weltprojektive Vermögen aus dem Geist des Beobachtens im späten 19. Jahrhundert entwickelte und zur Bildung jener modernen Strukturen beitrug, die im wesentlichen bis heute Bestand haben. Diese zweite, phänomenologische These begründet zugleich den globalisierungstheoretischen Anspruch der Studie, die sie sich Globalisierung nicht nur als raumübergreifende Vernetzung, nicht nur als zunehmendes Bewusstsein einer gemeinsamen Welt und auch nicht primär als ökonomischen Prozess, sondern als Summe von »Globalisierungen« gesellschaftlicher Teilsysteme vorstellt, die sich nicht primär auf Handeln, sondern auf Beobachten stützen. So abstrakt gefasst, ist sie auf Welt-Politik, Welt-Wirtschaft, Welt-Wissenschaft, Welt-Religion, Welt-Kunst etc. übertragbar und könnte zu vielfältigen historisch vergleichenden Studien der Globalisierungsdynamiken unterschiedlicher Teilsysteme anregen.
Mit diesen Argumenten und ihrer empirischen Illustration an der Geschichte des modernen Sports will die Arbeit sowohl zur weltgesellschaftstheoretischen Neubeschreibung vorhandener Forschung als auch zur Überführung der soziologischen Weltgesellschaftstheorie in Forschung beitragen.
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AUTOR
Tobias Werron, Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin; von Oktober 2003 bis August 2006 im Bielefelder Graduiertenkolleg „Weltbegriffe und globale Strukturmuster“; von September 2006 bis März 2009 Assistent am Soziologischen Seminar in Luzern, dort 2008 Promotion mit einer Arbeit zur Autonomie, Entstehung und Globalisierung des modernen Sports; seit April 2009 Akademischer Rat a. Z. an der Soziologischen Fakultät der Universität Bielefeld.
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REZENSIONEN
«Eine außerordentlich fleißige Arbeit eines stupend belesenen Autors! (...).
Das Buch ist in einem mitunter selbstgewissen Ich-Ton verfasst. Der Autor, hier merkt man seine Herkunft aus dem Rechtsanwaltsberuf, referiert und diskutiert nicht nur die ca. 700 Titel seines Literaturverzeichnisses, er hält stellenweise geradezu Gericht über sie. Große Namen schrecken ihn nicht ab. Auch Pierre Bourdieu und Norbert Elias, um nur zwei „Big Shots“ zu nennen, werden „beschränkte Denkmittel“ nachgewiesen. Wenn es in der Scientific Community so etwas wie „wissenschaftliche Zivilcourage“ geben sollte, so ist das vorliegende Buch ein Beispiel dafür!»
socialnet, 4.8.2010, Prof.Dr. Klaus Hansen
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